Europatag 9. Mai

Europäische Kulturhauptstädte: aktuelle und kommende Städte

2026 sind Oulu und Trenčín Kulturhauptstädte Europas. Welche Städte folgen, wie eine Stadt den Titel bekommt und welche deutschen Städte ihn schon trugen.

Kulturhauptstädte Europas sind im Jahr 2026 Oulu in Finnland und Trenčín in der Slowakei. Den Titel vergibt die Europäische Union jedes Jahr an mindestens zwei Städte aus verschiedenen Ländern, in manchen Jahren an drei. Die Städte stehen viele Jahre im Voraus fest, weil sie sich in einem mehrstufigen Wettbewerb durchsetzen müssen und lange Vorbereitungszeit für ihr Kulturprogramm brauchen.

Die Kulturhauptstädte gehören zu den bekanntesten europäischen Kulturinitiativen und sind ein beliebtes Ziel für Städtereisen. Die Übersicht zum Europatag am 9. Mai zeigt weitere Anlässe, bei denen Europa im Alltag sichtbar wird.

Kulturhauptstädte 2020 bis 2030

Jahr Städte Länder
2020 Rijeka, Galway Kroatien, Irland (wegen der Pandemie bis 2021 verlängert)
2021 keine neue Titelvergabe, die geplanten Städte wurden verschoben
2022 Esch-sur-Alzette, Kaunas, Novi Sad Luxemburg, Litauen, Serbien
2023 Veszprém, Timișoara, Elefsina Ungarn, Rumänien, Griechenland
2024 Tartu, Bad Ischl mit dem Salzkammergut, Bodø Estland, Österreich, Norwegen
2025 Chemnitz, Nova Gorica gemeinsam mit Gorizia Deutschland, Slowenien mit Italien
2026 Oulu, Trenčín Finnland, Slowakei
2027 Évora, Liepāja Portugal, Lettland
2028 Bourges, České Budějovice, Skopje Frankreich, Tschechien, Nordmazedonien
2029 Lublin und eine Stadt in Schweden Polen, Schweden
2030 Leuven, eine Stadt in Zypern, eine Stadt in einem Kandidatenland Belgien, Zypern, Kandidatenland
2031 Auswahl läuft Malta, Spanien

Stand dieser Übersicht ist Oktober 2026. Für die späteren Jahre lohnt ein Blick auf die Seite der Europäischen Kommission, die jede Benennung veröffentlicht, sobald sie offiziell ist.

Wie die Idee entstand

Die Kulturhauptstadt Europas ist eine der ältesten Kulturinitiativen der europäischen Zusammenarbeit. Angestoßen hat sie die griechische Kulturministerin Melina Mercouri Mitte der 1980er Jahre. Ihr Gedanke: Europa sollte nicht nur als Wirtschaftsgemeinschaft wahrgenommen werden, sondern auch als Kulturraum. 1985 war Athen die erste Kulturstadt Europas. In den ersten Jahren trugen vor allem bekannte Metropolen den Titel, etwa Florenz, Amsterdam, Paris oder Madrid.

Mit der Zeit veränderte sich der Ansatz. Heute geht es weniger darum, bereits berühmte Kulturstädte zu feiern, sondern darum, Städte durch Kultur zu verändern. Viele Titelträger sind mittelgroße Städte oder Regionen im Strukturwandel, die das Jahr nutzen, um Kultur, Stadtentwicklung und Beteiligung der Bevölkerung zu verbinden.

Deutsche Kulturhauptstädte

Jahr Stadt Besonderheit
1988 West-Berlin noch als Kulturstadt Europas, ein Jahr vor dem Fall der Mauer
1999 Weimar als Ort der deutschen Klassik und Gründungsort der Weimarer Republik
2010 Essen für das Ruhrgebiet erstmals stand eine ganze Region im Mittelpunkt
2025 Chemnitz gemeinsam mit Nova Gorica und Gorizia, mit vielen Projekten im Umland

Chemnitz hatte sich in einem nationalen Wettbewerb gegen mehrere deutsche Mitbewerber durchgesetzt. Das Beispiel zeigt die Richtung der vergangenen Jahre: Bewerbungen werden oft von Städten getragen, die ihr Bild nach außen und ihre Stadtgesellschaft nach innen verändern wollen.

So läuft die Auswahl ab

Die Regeln für die Jahre 2020 bis 2033 stehen im Beschluss Nr. 445/2014/EU. Er legt fest, welche Länder in welchem Jahr an der Reihe sind, und beschreibt das Verfahren.

  1. Ausschreibung: Der Mitgliedstaat, der an der Reihe ist, ruft etwa sechs Jahre vor dem Titeljahr einen Wettbewerb aus.
  2. Bewerbung: Interessierte Städte reichen ein Bewerbungsbuch ein, das ihr Kulturprogramm, die europäische Dimension, die Finanzierung und die Einbindung der Bevölkerung beschreibt.
  3. Vorauswahl: Eine Jury aus unabhängigen Kultur- und Fachleuten, die überwiegend von EU-Institutionen benannt werden, wählt einige Städte für die Endrunde aus.
  4. Auswahl: Nach überarbeiteten Bewerbungen, Anhörungen und oft einem Besuch vor Ort empfiehlt die Jury eine Stadt.
  5. Benennung: Der Mitgliedstaat benennt die Stadt offiziell und informiert die EU-Institutionen.
  6. Begleitung: Bis zum Titeljahr berichtet die Stadt regelmäßig über den Stand der Vorbereitung. Erfüllt sie die Zusagen, erhält sie einen Geldpreis, den Melina-Mercouri-Preis.

Worauf die Jury achtet

Die Bewertung folgt festen Kriterien: ein langfristiges kulturelles Konzept für die Stadt, eine starke europäische Dimension, künstlerische Qualität, die Fähigkeit zur Umsetzung, die Beteiligung der Bevölkerung und eine solide Verwaltung und Finanzierung. Ein Titel ist also kein Preis für vorhandene Sehenswürdigkeiten, sondern eine Auszeichnung für ein Programm, das erst noch umgesetzt werden muss.

Städte außerhalb der EU

Seit 2021 kann in festgelegten Jahren, etwa 2024, 2028 und 2030, zusätzlich eine Stadt aus einem Beitrittskandidatenland, einem potenziellen Kandidatenland oder einem EFTA-Staat im Europäischen Wirtschaftsraum Kulturhauptstadt werden. Für diese Städte gibt es einen eigenen, offenen Wettbewerb. Welche Länder als Beitrittskandidaten gelten, steht in der Übersicht der 27 EU-Mitgliedstaaten.

Was ein Kulturhauptstadtjahr bringt

Ein Kulturhauptstadtjahr umfasst meist Hunderte von Veranstaltungen: Ausstellungen, Konzerte, Theater, Festivals, Kunst im öffentlichen Raum und Beteiligungsprojekte. Viele Programme beziehen die umliegende Region ein, nicht nur die Kernstadt.

Erfahrungen früherer Titelträger zeigen typische Effekte, die allerdings von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich ausfallen:

  • Mehr Besucher: Viele Kulturhauptstädte melden während des Titeljahres steigende Übernachtungszahlen.
  • Neue Kulturorte: Häufig werden Industriebauten oder leerstehende Gebäude umgenutzt und bleiben danach als Kulturorte erhalten.
  • Internationale Netzwerke: Kulturschaffende arbeiten mit Partnern aus anderen Ländern zusammen, oft über das Titeljahr hinaus.
  • Stadtgesellschaft: Ehrenamtliche und Initiativen beteiligen sich und prägen das Programm mit.

Die Kommission lässt jedes Titeljahr unabhängig auswerten. Die Berichte sind öffentlich und zeigen, dass der langfristige Nutzen stark davon abhängt, ob eine Stadt die Strukturen nach dem Titeljahr weiterführt.

Kritik und Herausforderungen

Das Kulturhauptstadtjahr ist nicht unumstritten. Häufige Kritikpunkte sind steigende Kosten, Bauprojekte, die nicht rechtzeitig fertig werden, und die Sorge, dass vor allem Tourismus und Image im Vordergrund stehen. Manche Städte kämpfen nach dem Titeljahr damit, neue Einrichtungen dauerhaft zu finanzieren. Andere werden dafür kritisiert, dass die lokale Kulturszene zu wenig eingebunden war. Die Auswahlkriterien versuchen genau das aufzufangen: Bewerbungen müssen zeigen, wie die Stadt nach dem Jahr weitermacht und wie die Bevölkerung beteiligt wird.

Verwandte Initiativen

Neben der Kulturhauptstadt gibt es weitere europäische Titel und Auszeichnungen, die oft verwechselt werden:

Titel Worum es geht
Europäisches Kulturerbe-Siegel zeichnet Stätten aus, die für die Geschichte und die Werte der europäischen Einigung stehen
Grüne Hauptstadt Europas Auszeichnung der Kommission für Städte mit vorbildlicher Umweltpolitik
Europäische Jugendhauptstadt vom Europäischen Jugendforum vergeben, mit Schwerpunkt auf Jugendbeteiligung
Tage des europäischen Kulturerbes jährliche Aktionstage mit geöffneten Denkmälern, in Deutschland als Tag des offenen Denkmals

Tipps für einen Besuch

Wer eine Kulturhauptstadt besuchen möchte, plant am besten mit etwas Vorlauf:

  • Programm prüfen: Die Städte veröffentlichen ihr Programm meist im Herbst vor dem Titeljahr. Viele große Veranstaltungen finden zur Eröffnung und im Sommer statt.
  • Unterkunft früh buchen: Zu Eröffnungs- und Großveranstaltungen sind Hotels oft schnell ausgelastet.
  • Region einbeziehen: Viele Projekte liegen außerhalb des Stadtzentrums, teilweise in Nachbarorten.
  • Nach dem Titeljahr: Einige Einrichtungen und Kunstwerke bleiben dauerhaft und sind auch später einen Besuch wert.

Was beim Reisen innerhalb der EU sonst gilt, von Roaming bis zur Krankenversicherungskarte, fasst der Ratgeber Reisen in der EU zusammen.

Für die Planung künftiger Reisen gilt: Die Benennung einer Stadt steht Jahre vorher fest, das konkrete Programm dagegen erst kurz vor dem Titeljahr. Wer langfristig plant, merkt sich deshalb die Stadt und prüft im Herbst des Vorjahres das Programm und die Termine der großen Eröffnungsveranstaltungen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Seit wann gibt es die Kulturhauptstadt Europas?
Die Initiative geht auf die griechische Kulturministerin Melina Mercouri zurück. Erste Kulturstadt Europas war 1985 Athen. Ab 1999 hieß der Titel Kulturhauptstadt Europas, und seit Beginn der 2000er Jahre teilen sich meist zwei oder drei Städte aus verschiedenen Ländern ein Jahr.
Wie wird eine Stadt Kulturhauptstadt?
Die Mitgliedstaaten, die an der Reihe sind, schreiben einen nationalen Wettbewerb aus. Interessierte Städte reichen ein Programm ein. Eine Jury aus unabhängigen Fachleuten trifft eine Vorauswahl und empfiehlt nach einer zweiten Runde eine Stadt. Der Mitgliedstaat benennt sie dann offiziell, in der Regel etwa vier Jahre vor dem Titeljahr.
Wann ist Deutschland das nächste Mal an der Reihe?
Die Reihenfolge der Länder ist für die Jahre bis 2033 in einem Beschluss festgelegt. Deutschland war mit Chemnitz 2025 an der Reihe. Für die Zeit nach 2033 wird die Reihenfolge neu geregelt, ein Termin für die nächste deutsche Kulturhauptstadt steht noch nicht fest.
Können auch Städte außerhalb der EU Kulturhauptstadt werden?
Ja. In festgelegten Jahren kann zusätzlich eine Stadt aus einem Beitrittskandidatenland, einem potenziellen Kandidatenland oder einem EFTA-Staat im Europäischen Wirtschaftsraum den Titel tragen. Beispiele sind Novi Sad in Serbien 2022 und Bodø in Norwegen 2024.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion m9m Europa.